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Ja, seid ihr denn alle dumm?

So oder so ähnlich denkt so mancher überzeugter Datenschutzaktivist und Freund freier Software über den Normalo, dem bei Facebook die neuesten Katzenbilder gefallen, der via Whatsapp mit Freunden und Familie in Kontakt bleibt und in scheinbar vollkommener geistiger Umnachtung Google oder Apple all seine Daten anvertraut.

Und das mit einem iPhone!

Mit „Die wissen eh schon alles“, „Das benutzt doch jeder“ und „Dieser Open-Source Mist funktioniert am Ende nie richtig“ verteidigt da so mancher den Gebrauch unzweifelhaft ethisch zweifelhafter Dienste und Software. Und wisst ihr was? Sie haben verdammt recht! Google ist allgegenwärtig, Facebook weiß, wann ich die Seite besucht habe und was ich angeguckt habe, dafür brauche ich noch nicht mal einen eigenen Account und mit freier Software alleine lässt sich noch nicht mal was bei Netflix streamen…

Datenschutz und Privatsphäre sind gut und schön, aber wenn ich deswegen sozial ausgeschlossen werde, meine Freunde nicht erreichen kann oder nicht in der Lage bin legal eine Serie zu gucken, über die jeder spricht, dann muss ich schon ein verdammt dickes Fell haben, um das alles ignorieren zu können. Man könnte sagen, ich muss zum Nerd mutieren. Was nicht weiter schlimm wäre. Ich würde sagen, ich bin schon einer. Dennoch: Nicht jeder hat das Hintergrundwissen, die Zeit und die Muße sich dermaßen umfassend mit einem Thema auseinanderzusetzen, um in der Lage zu sein all diese proprietären Dienste und Geräte ersetzen zu können.

Die Lösung für die Normalos liegt auf der Hand: Frag deinen Nerd um die Ecke. Sie oder er kann dir zeigen wie du einen Adblocker installierst oder wie du eine Alternative zu Whatsapp finden kannst und wie du am Ende vielleicht ein Stück Privatsphäre zurückgewinnen kannst. Ich weiß, dass viele von euch auch ein mulmiges Gefühl im Magen haben, wenn ihr eure persönlichen Daten im Internet verstreut und anfangt die Kontrolle darüber zu verlieren. Und wenn dein Nerd denkt, dass du dumm und ignorant bist, weil du bislang die Datenkraken fütterst, dann ist er es wohl selber. Zeit, die Beziehung zu überdenken.

Zu den Nerds und Aktivisten da draußen kann ich nur sagen, hört auf den Rest der Menschheit zu beschimpfen und zu verurteilen. Du bist nicht besser, nur weil du Fachwissen hast. Du hast einfach nur mehr Zeit mit einem Thema verbracht. Und wenn du der Meinung bist, dass du mehr weißt, dann teile dein Wissen! Das ist der Gedanke von freier Software. Stell zur Verfügung was du weißt, damit andere davon profitieren können. Sie werden es dir danken und auch zurückgeben, wenn sie können. Wir alle werden von klein auf von Großkonzernen erzogen, die das Leben so einfach wie möglich gestalten, uns Wünsche und Träume ins Gehirn pflanzen und sie begnügen sich mittlerweile nicht mehr nur mit Geld, sondern lassen sich auch in Form von mitgeteilten Gefühlen und privaten Gedanken bezahlen. Die Frage ist, welche wird die nächste Währung sein?

Diskussion

Rusty, 2019-10-28 16:56

Völlig korrekt. Und es ist ja auch nicht so, das Anfänger in dem Bereich nicht bis zu einem gewissen Punkt verzichten können. Aber wenn man eine Software testet und Nachrichten nicht ankommen (Conversation) oder ein einfaches senden eines Bildes in einem nichtssagendem Error endet (Riot) dann neigt man eben dazu, das zu nutzen was man kennt, alle nutzen und es gut sein zu lassen.

SearX ist eine der einzigen Ausnahmen wo ich sagen kann, das es ohne Probleme funktioniert.

Aber auch Mastodon und Friendica haben Probleme Nachrichten ohne Ausfall zu übermitteln. Oder ein vernünftiges ACP zu liefern. Es fehlen hunderte von Dingen die es so nur in irgendwelchen configs gibt. Das bringt so nichts. Von einfacher Installation ganz zu schweigen. Und die managed haben bereits genanntes ACP Problem.

Was noch, hm, ebay? Joar, Alternativen? Eher nicht. Wetter? Hm, nein.

Was halt kein guter Start ist, ist wenn von vornherein die Software zu kompliziert ist, oder nicht funktioniert. Wenn nicht einmal das gesichert ist, wird man niemals Leute ersthaft überreden können. Und wenn dann per Update auch noch Instanzen quasi totgestellt werden (GNU Social durch ein Mastodon Update) hilft das auch nicht.

So gut der Gedanke auch ist, aber es ist nicht zuende gedacht. Wenn ich Leute überreden will, was eigenes zu machen, muss es klare Anbieter, klare Anleitungen und am besten „Ready to run“ Packete geben. Das ganze zu einem finanziell möglichen Rahmen.

Wenn ich Leute überreden will, etwas zu nutzen, muss es modern aussehen und ready to run sein. Ohne Dinge die sie nicht verstehen. Sie werden es nicht nachschlagen! Niemand will erst ein Studium leisten um zu verstehen was in seinem Chatprogramm steht (OMEMO z.B.).

Gut, nun habe ich mehr als genug geschrieben.

Admin, 2019-10-30 19:50

Das Problem beginnt, wenn man andere Personen überreden muss - dann muss man auch ein besseres Produkt liefern als die der proprietären Anbieter. Kommt jemand jedoch aus freien Stücken, so ist die Erwartungshaltung nicht so groß. Es sollte meiner Meinung auch gar nicht jeder alle Dienste betreiben können, sondern es sollten Personen sein, die in dem Gebiet schon halbe Experten sind. Einen Dienst im Internet einschalten und hoffen, dass alles einfach so klappt, funktioniert leider nicht. Aber wenn auf mehrere hundert normale Anwender ein findiger IT-Mensch kommt, dann ist das Problem schon keines mehr.

Ich habe übrigens auch bei vielen Leuten per Hand zum Beispiel Conversations eingerichtet und dann auch über mehrere Monate hinweg den Dienst getestet und mir das Wissen selber angeeignet. Nun bin ich auch in der Lage Anwendern aber auch anderen Admins ordentlich helfen zu können.

Chromax, 2019-11-11 17:18

Ja, schönes Beispiel ist Nextcloud. Läuft out-of-the-box einfach gut.

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blog/ja_seid_ihr_denn_alle_dumm.txt · Zuletzt geändert: 2018-11-13 00:19 von Admin